Mittwoch, 22. April 2015

[Theorie] Moral und Ethik im Rollenspiel


Ich möchte heute einen Artikel von Jaegers.net aufgreifen, und zwar: "Darf man das? Moral und Ethik im Rollenspiel"

Der Artikel ist gut geschrieben, aber ich vermisse einen wesentlichen Faktor über Moral und Ethik, denn das Rollenspiel bietet, den er komplett ausser Acht gelassen hat: Die Möglichkeit des Ausprobierens und des Experimentierens.

Rollenspiel ist immer ein Gedankenspiel. Egal wieviel wir würfeln, schreiben, oder malen, dass wirkliche Geschehen findet in unserem Kopf statt, im gemeinsamen Vorstellungsraum der Gruppe. Und wie wir alle wissen, sind Gedanken frei.

Entsprechend bietet das Rollenspiel die einmalige Möglichkeiten Dinge zu erproben und zu erleben, die über die Möglichkeiten unserer Gegenwart hinausgeht.


Rollenspiel bietet die Möglichkeit moralische Vorstellungen zu erproben, die unserer Gesellschaft zu widerlaufen. Folter im Rollenspiel, ja, es gibt tatsächlich keine Opfer, nur Gedanken. Selbst wenn im Rollenspiel jemand unschuldiges gefoltert wird, gibt es eben weder den Folterer, noch den Gefolterten, oder irgendein Werkezeug dafür. Es gibt nur Gedankenspiele und Worte.

Selbiges gilt für alle anderen Arten von Rollen, in die ich schlüpfen kann. Ich kann als überzeugter Christ die atheistische Seite ausprobieren, ohne Konsequenzen. Ich kann als überzeugter Internationalist den Patrioten ausprobieren, ich kann Feministin den Frauenfreind geben. Ich habe Möglichkeiten Rollen zu erleben, ohne dass es Konsequenzen für mich oder die Gesellschaft hat.

Diese Möglichkeit des Experimentierens, gerade mit den Randbereichen dessen, was die Gesellschaft unter Moral und Ethik versteht, ist so in dieser Möglichkeit nirgendwo gegeben. Den, im Gegensatz zum alleinigen Gedankenexperiment, bekomme ich Feedback, und vom in der Wirklichkeit Sachen auszuleben, lassen wir das lieber :-)

Klar muss man vorher absprechen, wo in der eigenen Gruppe die Grenzen liegen, niemand soll am Ende mit schlechten Träumen zu Hause liegen, aber man darf die Möglichkeit auch nicht übersehen, dass gerade Pen&Paper-Rollenspiel hier unendliche Möglichkeiten bietet.

1 Kommentar:

  1. Sehe ich ähnlich. Ich spiele grad einen fundamentalistischen Ritter auf Kreuzzug, und ich bin als Mensch überhaupt kein Eiferer oder generell religiös. Die Grenze liegt eigentlich da, wo ich meine Mitspieler auf den Schlips trete. Und ehrlich gesagt, wenn ich etwas Stress auf Arbeit hatte, ist ein bisschen Folter an Goblins sehr entspannend ;)

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