Donnerstag, 5. März 2015

[RSP-Karneval] Auf’s Auge! - Gemeinsamer Vorstellungsraum

So, ich versuche mal wieder regelmäßig zu schreiben, mal sehen, wie lange ich diesmal durchhalten. :-)

Das Thema diesen Monats beim RSP-Karneval ist "Auf's Auge". Dabei denkt man zu erst an Kampf, und an Gegner, was aber nicht im Sinne des Themas im aktuellen RSP-Karneval ist.

Gemeint ist, dass es um Visualisierung im Rollenspiel gehen soll.

Visualisierung im Rollenspiel? Ernsthaft? Ja, ernsthaft. Leider ist Visualisierung ja manchmal eine notwendige Krücke um einen "Gemeinsamen Vorstellungsraum" zu schaffen.

So, was ist der "Gemeinsame Vorstellungsraum"? 


Auch wenn wir beim Pen&Paper-Rollenspiel bestimmte Elemente haptischer Natur benutzen - in der Regel eine Zufallsmechanismus (aka Würfel), Papier und Stift, plus weitere Dinge- findet das, was Kernelement des Pen&Paper-Rollenspieles ausmacht (anders als im LAPR z.B.) im Kopf statt. Wir stellen uns unsere Spielfigur vor, wir stellen uns die Figuren des Spielleiters vor, und die Welt. Wir betreten nicht eine wirkliche Höhle mit einem Drachen (auch mit keinem gebastelten) sondern unternehmen dies alles im Kopf. Und dabei versuchen wir unsere "Tagträumerei" mit der unserer Mitspieler zu synchronisieren. Und das was dabei entsteht ist der "Gemeinsame Vorstellungsraum".

Warum Visualisierung?


Nun hilft es uns natürlich nicht weiter, wenn ich einen Zwerg spiele und Spieler A sieht Thorin Oakshield und Spieler B sieht Gimli und ich meine, dass mein Zwerg eher wie Brummbär aussieht.

Als erstes Element des Rollenspieles zum Ausgleich dieses Problemes im Vorstellungsraum nutzen wir eines der Hauptelemente des Rollenspieles, das "gesprochene Wort". Durch Beschreiben und Erklären können eigentlich fast alle Unklarheiten geklärt werden.

Trotzdem haben viele Spieler eine Charakterbild Ihrer Figur, wenden Zeit auf es zu zeichnen, es im Internet zu finden, oder geben sogar Geld aus, dieses Zeichnen zu lassen.

Ein Bild spart hier (scheinbar) Beschreibungen ein, den ein Bild sagt ja angeblich mehr als 1000 Wort.

Eine andere typische Zuhilfenahme von Visualisierung ist die Battlemap auf der Kämpfe dargestellt werden, sei es, dass taktische Spiel zu fördern, oder einfach Unklarheiten vorzubeugen.

Weitere Visualisierungen sind Darstellung wichtiger Artefaken oder SLCs, die bildliche Darstellung von Figuren des Spielleiters und natürlich Landkarten.

Diese Techniken ermöglichen es leichter den Vorstellungsraum zu synchronisieren.

Aber spart ein Bild wirklich mehr als 1000 Worte?


Oder sorgt es nicht eher für Verwirrung und erfordert mehr Worte (und räumt die bildlichen Assoziationen am Ende dann doch nicht auf?)

Um es zu erläutern lass uns ein einfaches Beispiel nehmen. Gespielt wird ein Agentensetting in den 80ern. Der Spielleiter hat für eine seiner Antagonisten ein Bild von Dieter Hallervorden gewählt. Die Spieler denken sofort an "Nonstop Nonsens" oder an "Didi" und sehen die Figur als Witzfigur. Der Spielleiter wundert sich, weil er hat Dieter Hallervorden in seiner Rolle als Chef der Köhlerbande gesehen, und sieht ihn als eiskalten Killer. 

Wir haben jetzt also die Situation, dass der SL erstmal erkennen muss, dass ein Missverständnis vorliegt, und dann noch, dieses aufklären, wo möglich nachdem die Szene bereits mehrere Minuten gespielt worden ist. 

Gespart hat uns das Bild also gar nichts, nur vielleicht gerade eine komplette Szene unsinnig gemacht.
Ähnliche Situationen können oft auftauchen. Auch bei den beliebten Charakterbilder für Spielerfiguren. Diese zeigen den Charakter meist in einer optimal Situation, und können aber leicht dazuführen, dass wenn es sich um eine absolut miese Situation handelt, zu sehr gedanklichen Verwirrungen führen kann. Als visuelle Menschen passen wir halt unsere Gedanken eher an die Bilder an, die wir sehen als das was wir hören.

Battlemaps und ihre Verwirrungen


Battlemaps schaffen Klarheit, ja, aber sie verführen auch leicht dazu vom Rollenspielmodus zum Brettspielmodus. 

Leicht gibt jeder auf der Battlemap sein bestes, weil sein Kopf auf Brettspiel umgestellt hat, obwohl er eigentlich ein Taschenlampenfallenlasser ist.

Gleichzeitig führen sie schnell zu Verwirrungen, wenn das Geschehen auf der Map nicht zu dem passt, was vorher beschrieben wurde. 

Von absolut unpassenden Ersatzfiguren mal abgesehen.

Was nun?

Ja, Visualisierungen können eine hilfereiche Sache. Aber, da P&P-Rollenspiel von Gedanken lebt, sind und bleiben Visualisierungen letztlich nur eine Krücke.

Sie können für einfache Klarheit sorgen, aber genauso für fürchterliche Verwirrung. Man sollte also nicht soviel Zeit in sie investieren, das notwendige ja, aber nicht mehr, und stattdessen lieber sich darauf konzentrieren den eigenen Ausdruck zu verbessern, und die eigene Beschreibungsfähigkeit versuchen zu verbessern.

1 Kommentar:

  1. @Didi Hallervorden. Dazu hatte ich vor zwei Jahren schon was geschrieben unter dem Rubrum "Against the Grain":

    "Normalerweise vermeide ich [bei den gewählten Charakterbildern] bekannte Gesichter, um die damit verbundenen Assoziationen nicht aufkommen zu lassen. Manchmal kann es jedoch sehr hilfreich sein, diese bewußt abzurufen, um ein Spannungsfeld zwischen dieser Bild-Assoziation und dem eigentlichen NSC aufzubauen. So verwendete ich ein Bild von Kiefer Sutherland/Jack Bauer für einen kuscheligen Vorschulpädagogen mit Walldorfschaden namens Jack Fletscher. Das bleibt hängen."

    http://tagschatten.blogspot.de/2013/05/erinnerungswurdige-nebenfiguren-im.html

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